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26.06.2007 // Marokko auf dem Weg in eine neue Zukunft: Grüner Strom für Europa aus Afrika

Eine hochrangige Wirtschaftsdelegation aus Marokko hat sich im Rahmen einer Informationsreise durch Schleswig-Holstein auf einer Veranstaltung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, der Investitionsbank Schleswig-Holstein und der Netzwerkagentur windcomm in Husum über die Nutzung der erneuerbaren Energien informiert.

Marokko richtet seine Energiepolitik neu aus. Ganz oben auf der Agenda steht eine zukünftige Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen. „Die Länder Afrikas sehen den Klimawandel mit sehr großer Sorge“, sagte Frau Amal Haddouche vom marokkanischen Zentrum für erneuerbare Energien. Schon heute sind dort die ersten Auswirkungen des Klimawandels mit jährlich massiv sinkenden Regenmengen deutlich spürbar. Besonders bedrohlich für ein stark landwirtschaftlich geprägtes Land, das seinen Strom zumindest zu einem geringen Teil mit Hilfe von Wasserkraftwerken produziert. Marokko hat kaum fossile Quellen, wie Erdöl, Kohle oder Erdgas, muss heute zu mehr als 90 Prozent seinen Strom importieren und hat einen um 8 Prozent jährlich steigenden Energiebedarf.

Doch das maghrebinische Königreich hat große Ziele:
„Marokko will im Jahr 2020 nordafrikanischer Champion im Bereich einer sicheren, nachhaltigen und erneuerbaren Energie-versorgung sein“, bestätigt Mohamed El Khawad von der Gesellschaft für technologische Zusammenarbeit (GTZ), der Umweltprogramme in Marokko betreut. Dieses Ziel könnte leicht erreicht werden, denn das Land hat große Potenziale. Mit Windparks an seiner 3.500 km langen Atlantikküste  kann bei durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von bis zu rund 12 m/sec (in Schleswig-Holstein durchschnittlich 6m/sec) und mit rund 3.400 Volllaststunden im Jahr (Schleswig-Holstein rund 2.300 Volllaststunden) weitaus mehr Strom erzeugt werden als das Land selber benötigt. Die Potenziale zur Nutzung der Solarenergie werden langfristig sogar noch zehnfach größer als die Windpotenziale eingeschätzt.

„Mit diesen Möglichkeiten kann Marokko zu einem Energieexporteur werden, seinen inländischen Infrastrukturausbau realisieren  und darüber hinaus zur Versorgungssicherheit in ganz Europa beitragen“, prognostizierte Dr. Gregor Czisch vom Institut für Elektrische Energietechnik der Universität Kassel, der sich mit den Möglichkeiten einer gesamt-europäischen Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen und deren großräumige  Verteilung mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetzen (HGÜ) beschäftigt.
„Alle Formen der Kooperation mit  den marokkanischen Partnern sind zukünftig möglich“, bekräftige Florian Philipp Müller von der KfW IPEX-Bank, denn das Schwellenland Marokko bietet bald einen stabilen gesetzlichen Rahmen für Investoren. Noch in diesem Sommer wird in Marokko ein Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien verabschiedet, ähnlich dem deutschen EEG (Erneuerbare Energien Gesetz).


Großes Interesse besteht besonders an einer Zusammenarbeit mit schleswig-holsteinischen Partnern, denn: „Schleswig-Holstein deckt heute mehr als 30 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen und ist jetzt mit seinen vielen kompetenten Unternehmen, seinen Hochschulen und seiner Vielzahl von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energienquellen im Lande zu einer „one-stop-agency“, zu einem realen Modellbeispiel für viele Länder der Welt geworden“, bestätigte Hans Eimannnsberger von der Energieagentur der Investitionsbank Schleswig-Holstein. Auf diesem ersten Informationstreffen in Husum wurden in verschiedenen Arbeitsgruppen gleich erste konkrete Schritte zur weiteren, zukünftigen Zusammenarbeit festgelegt: Die Energieagentur Schleswig-Holstein wird marokkanische Partner beim Ausbau einer modernen, umweltverträglichen Müllentsorgung mit moderner Deponietechnik und mit energetischer Nutzung von Klärschlamm beraten. Prof. Hohmeyer, Universität Flensburg, regte einen engen akademischen Austausch im Rahmen von Ingenieursstudiengängen an.  „Gerne unterstützen wir die marokkanischen Partner ebenfalls darin, die hier entwickelte Vision eines Energie exportierenden und damit wirtschaftlich starken Marokkos den politischen Entscheidungsträgern ihres Landes zu präsentieren“, bot Prof. Hohmeyer an. „Der Energiemarkt Marokkos wird sich in Zukunft mit großer Dynamik entwickeln. Schleswig-Holstein ist im Moment einer der ersten gefragten und ein besonders bevorzugter  Partner für Marokko. Dieser Vorsprung sollte genutzt werden“, sagte Dirk Scheelje, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. „Beim Aufbau einer zukünftigen europäisch-afrikanischen Energiestruktur auf einer klimafreundlichen Basis ist Marokko das Tor zu Afrika“, fasste Peter Bielenberg, Netzwerkagentur windcomm, die Ergebnisse dieses Treffens zusammen.

Vorträge zu diesem Thema und weitere Informationen unter: www.windcomm.de

 

Kontakt

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